Muay Thai - Geschichte

Geschichte des Muay-Thai / Thaiboxen

 

Die Ursprünge des Volkes der Thais sind im Südwesten Chinas zu finden. Ab dem 9. Jahrhundert n.Chr. begannen sie gruppenweise in das Gebiet des
heutigen Nordwest-Thailands zu ziehen.

Diese Völkerwanderung hielt bis ins 13. Jh. n.Chr.
an und stellte keinen plötzlichen und gewaltsamen Eroberungszug dar. Man vermutet, dass bereits zu dieser Zeit Muay-Thai in seiner Urform entstand, aus dem Bedürfnis heraus, sich zu verteidigen. Im Jahre 1220 fand ein Aufstand von zwei Thai-Prinzen statt,
der schließlich zur Vertreibung der bis dahin in Sukhotai ansässigen Khmer führte.

Im Jahre 1238 schließlich bestieg der sagenumwobene Indratitya den Thron und wurde zum ersten Herrscher über Sukhotai.

 

Unter den Nachfolgern von Indratitya vollzog sich
die Gründung des ersten Thai-Großreiches, das sich ungefähr mit dem heutigen Thailand deckt. Eine weitere Ausdehnung in Richtung Laos und Burma fand unter dem dritten König der Sukhotai-Dynastie, Rham Khamheng, statt.

Um das Reich zu verteidigen rief der Herrscher gute Muay-Thai-Meister aus allen Landesteilen zusammen, die ein effektives Kampfsystem entwickeln und die Soldaten ausbilden sollten.

 

Im Jahre 1350 wurde das Königreich Ayuthaya mit seiner gleichnamigen Hauptstadt von dem Fürsten
U Thong, auch Rama Thiboldi I genannt, gegründet.

Die bis dahin zu Sukhotai gehörenden Provinzen wurden bis 1438 vollständig von dem Königreich einverleibt.

Die Bedrohung durch Birma im Westen war allgegenwärtig, Ayuthaya widersetzte sich diesem Hegemonialstreben bis zum Jahre 1569.

Es wurden einige Stimmen laut, die behaupten, dass, wenn es kein Muay-Thai gegeben hätte, das Königreich sich nicht so lange hätte wehren können und es heute kein Thailand gäbe. Die Hauptstadt Ayuthaya wurde 1569 von den birmanischen Kriegern eingenommen und das Königreich wurde zur birmanischen Provinz.

Als König wurde ein fähiger Vasall mit Namen Mahathamaratcha eingesetzt.

 

Sein Sohn, der thailändische Prinz Narasuen der Große, der aus birmanesischer Geiselhaft entfloh, wurde zum Retter des Landes.

Es gelang ihm in mehreren Feldzügen die Birmanesen zu vertreiben und er folgte seinem Vater im Jahre 1590 auf den Thron.

In einem Zweikampf, später als der Sieg von Nong Saray bezeichnet, besiegt er schließlich auch den Thronfolger Birmas, was den Abzug der Birmanesen
zur Folge hatte. Berichte über diesen Kampf erwähnen zum ersten Mal namentlich Muay Thai.

 

Bis ins 17. Jahrhundert hinein herrschte Wohlstand und Frieden im Lande. Der Handel mit Europa nahm seinen Anfang. Er wurde jedoch durch den König Phra Phetraja (1688-1703) auf Grund von angeblich immer neuen Differenzen zwischen den Handelsparteien unterbunden; die Europäer wurden des Landes verwiesen.

 

Der nachfolgende König, Phra Chao Sua, auch
König Tiger genannt, wurde berühmt durch seinen Kenntnisse des Muay-Thai und seine zahlreichen Vergleichskämpfe. Bekannt wurde er schließlich auch durch sein ausschweifendes Leben, das letztendlich Ursache für seinen Tod im Jahre 1709 war.

 

Im Jahre 1767 eroberte Birma erneut Ayuthaya, das
zu einer der blühensten Städte des Fernen Ostens seinerzeit war. Die Stadt wurde jedoch vollständig zerstört und niedergebrannt. In Flammen gingen
leider auch die damaligen Archive auf, so dass die meisten Aufzeichnungen über die Geschichte
Thailands und die des Muay Thai verloren gingen.

 

Einem Unterbefehlshaber der Thai mit Namen
Phaya Tak (Taksin) gelang es jedoch, dem Zugriff der Birmanen zu entkommen. Er fügte die versprengten Truppenteile der Thai zusammen und begann mit der Rückeroberung des Landes.

Bis zum Jahre 1769 ist es ihm gelungen, Thailand in den Grenzen der Ayuthaya-Zeit wieder zu vereinen; Regierungssitz wurde die Stadt Thonburi.

Im Jahre 1781 allerdings wurde Taksin, der zwischenzeitlich dem Wahnsinn verfallen war, durch seinen Offizier Phraya Chakri abgelöst und 1782 hingerichtet. Phraya Chakri bestieg nun als Rama I. den Thron und verlegte Hauptstadt und Regierungssitz nach Bangkok, wo die Chakri-Dynastie bis heute das Königreich Thailand regiert.

 

Im Wesentlichen verdankt Thailand seine Unabhängigkeit gegenüber dem britischen und französischen Kolonialisierungsdrang den Chakri-Herrschern König Mongkut (Rama IV.) und König Chulalongkorn (Rama V.).

Diesen beiden Königen gelang es auch, ein starkes Nationalbewusstsein in der Bevölkerung zu bilden,
das bis heute unter den Thailändern in Bezug auf die Unabhängigkeit ihres Landes, der Traditionen und der Kultur anhält. Konzentrationspunkt des Nationalbewusstseins ist der König, der auch in heutiger Zeit (König Bhumipol als Rama IX.) den Respekt aller Thai genießt. In der Sprache der Thailänder heißt ihr Land Muang Thai, gleichbedeutend mit Land der Thai oder Land der Freien ist.

Der Name Thailand wurde erstmals 1939 als offizielle Landesbezeichnung für das bis dahin von den Europäern als Siam bezeichnete Land verwendet.